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11. Dezember

11.12

Noch genau 13 Tage bis Weihnachten. Heute ist wieder ein Tag, an dem ihr etwas gewinnen könnt.

Die Autorin von Friedolin und die Chaoskinder, Daniela Wanninger, entführt euch heute in ihre Weihnachtsgeschichte:

Joseph, der Weihnachtshelfer    

von Daniela Wanninger

Draußen war es dunkel. Anna saß aufrecht in ihrem Bett und blickte aus dem Fenster. Obwohl nur der Lichtschimmer der benachbarten Straßenlaterne die Nacht aufhellte, konnte sie genau die dicken weißen Flocken erkennen, die durch die Luft gewirbelt wurden.

Es schneite und schneite und schneite – und das nun schon den ganzen Tag!

„Hurra, morgen fällt bestimmt die Schule aus!“, schrie ihr Bruder Fynn, der gerade das Badezimmer verlassen hatte und noch einen Blick zu seiner kleinen Schwester warf.

„Ich wette mit dir: morgen bricht der ganze Verkehr zusammen, weil das Scheegestöber nicht aufhören wird!“, rief Fynn fröhlich und steckte seinen Kopf durch Annas Türe.

„Kann schon sein!“ Gelangweilt spähte Anna in ein Buch.

„Was ist denn das? Ha, ha, der Weihnachtsmann!“, lachte Fynn.

Bild 1 Daniela wanninger

Genervt bugsierte ihn Anna aus ihrem Zimmer und schloss die Tür.

Endlich Ruhe! Nun konnte sie niemand mehr stören. Wieder grabschte sie nach dem Buch, das sie heute im großen Schrank ihrer Eltern erwischt hatte, als sie auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken war.

„Ein Buch – so etwas Langweiliges!“, hatte sie sich geärgert.

Viel lieber hätte sie ein neues Computerspiel gefunden. Das hatte sie sich schließlich gewünscht. Als sie die Stimme ihrer Mutter vernahm, hatte sie schnell das Buch in ihrer Hand unter ihrem Pullover versteckt und war damit in ihr Zimmer geflüchtet.

Erst jetzt hatte sie Zeit, es genauer zu betrachten: Auf dem Einband war ein Weihnachtsmann mit einem Schlitten abgebildet. Daneben stand in großen Buchstaben der Titel: „Joseph, der Weihnachtshelfer“

So was Blödes! Weihnachtshelfer – Wieso hieß es nicht Weihnachtsmann, schließlich trug der gute Alte eine rote Zipfelmütze auf seinem Kopf. Blöder Kinderquatsch! Und statt von einem Christkind zu schreiben oder vom Heiligen Nikolaus wurde den Kindern diese Witzfigur präsentiert! Jedes Mal wenn sie so einen Wicht sah, musste sie an einen Giftzwerg denken, dessen Bart irgendwie eingeschneit wirkte.

Sachte fuhr Anna mit ihrem rechten Zeigefinger über den Bart des Mannes. Er glitzerte. Fasziniert studierte sie seine tiefblauen Augen. Es schien ihr als würde er seinen Mund zu einem Lächeln verziehen. Nein, das konnte nicht sein das hier war nur eine Abbildung!

Plötzlich vernahm sie eine tiefe aber sanfte Stimme. „Komm mit!“

Anna fuhr herum, konnte jedoch niemanden in ihrem Zimmer entdecken – außer dem Weihnachtsmann auf dem Kinderbuch. Ungläubig starrte Anna auf die Abbildung. Der Weihnachtsmann nickte und winkte Anna zu sich auf den Schlitten.

„Nimm bitte Platz!“ Wie in Trance dachte sich Anna an die Stelle auf dem Buch und konnte sich plötzlich auf dem Schlitten wiederfinden.

„Hallo Anna, schön, dass du da bist.“

Er streckte Anna eine warme Jacke entgegen: „Hier, die wirst du brauchen – es wird nämlich gewaltig ziehen!“

Mit weit aufgerissenen Augen starrte Anna ihren neuen Bekannten an.

„Ich heiße Joseph und bin ein Weihnachtshelfer. Da ich auch ein Mann bin, kannst du mich auch Weihnachtsmann nennen.“ Mit einem Nicken bedeutete er Anna, sich festzuhalten und rief ein Kommando für die Pferde, das Anna nicht verstand. In Nu setzte sich der Schlitten mit den filigranen braunen Pferden in Bewegung. Ein eisiger Wind schlug Anna entgegen und schnitt ihr für einen Augenblick den Atem ab. Ihr Gegenüber schien die Kälte nicht zu beeindrucken. Ringsum war es totenstill, nur das Schnauben der Pferde und ein leises Klingeln der Schlittenglocken waren zu hören. Annas Mund stand vor Staunen weit offen.

Erst jetzt entdeckte sie die vielen Schneeflocken, die in Regenbogenfarben glitzerten. Der Himmel war voller Sterne. Sie ritten durch ein kleines Wäldchen, bevor sie im Galopp eine kleine Anhöhe erreichten.

 „Das hier ist das Ende einer Siedlung mit vielen Kindern!“, erklärte Joseph. Seine Stimme klang tief.

„Was machst du denn als Weihnachtshelfer?“

Während sich der Weihnachtsmann von seinem Schlitten erhob und Anna die Zügel reichte, sprach er ruhig. „Aber Anna, du weißt nicht, was ein Weihnachtshelfer vor Weihnachten zu tun hat?“

Anna zuckte mit den Schultern.

„Ach weißt du, wir Weihnachtshelfer sind eigentlich in der anderen Welt beschäftigt, doch vor Weihnachten – zur besonderen Zeit – bevor zu euch das Christkind kommt, sind wir im Großeinsatz.“

Er stöhnte leise, dann machte er sich daran, einen Berg Geschenke vom Schlitten loszubinden.

„Ich komme gleich wieder!“, verkündete er und war im Nu verschwunden.

Wo war er nur?, dachte Anna, schaute um sich, konnte jedoch weder die Geschenke noch den Weihnachtsmann entdecken. Plötzlich – wie aus dem Nichts – tauchte er wieder neben ihr auf, lächelte und nahm Anna die Zügel aus der Hand.

Wieder rauschten sie durch die dunkle Nacht.

„Du, Joseph!“, begann Anna schüchtern. „Ich würde dir wirklich gerne helfen, aber ich glaube, ich muss nach Hause.“

„Das kann ich gut verstehen, mein Kind!“, entgegnete Joseph und bog plötzlich in eine schmale Gasse ein.

Hier können wir mit dem Schlitten unmöglich durch, ging es Anna durch den Kopf.

„Hüüüüünouf!“, schrie der alte Mann, worauf sie mit dem Gespann plötzlich über die Dächer hinweg flogen.

„Du musst dich jetzt in dein Bett denken!“, befahl Joseph.

Anna schloss die Augen und konzentrierte sich. Sie spürte ihre warme weiche Decke über sich.

Als sie ihre Augen öffnete, fand sie sich tatsächlich in ihrem kuscheligen Bett wieder. Verwirrt blickte sie um sich und tappte mit der rechten Hand nach dem Buch. Es war weg. Einfach weg! „Verflixt!“, schimpfte Anna.

 Bild 2 Daniela wanninger

 Die Tage vor Weihnachten konnte Anna an nichts anderes als den Weihnachtsmann und ihr ungewöhnliches Erlebnis denken. Dies war ihr Geheimnis und das wollte sie auf keinen Fall preisgeben.

Außerdem hätte ihr sowieso niemand diese Geschichte geglaubt.

Als Anna am Heiligen Abend einen hohen Stapel Bücher unterm Christbaum vorfand, stürzte sie sich sofort begeistert darauf. Wie groß war die Freude, als sie das Buch von Joseph, dem Weihnachtshelfer entdeckte.

„Was hast du denn da?“, fragte Fynn neugierig und wollte nach dem Buch greifen.

„Ach, nichts Besonderes, nur ein Kinderbuch!“, murmelte Anna. Sie würde dafür sorgen, dass ihr Bruder die Abbildung nie zu lange ansah, denn ihr Geheimnis wollte sie für sich behalten.

Was das Buch in der anderen Welt alles für sie bereithielt, darauf war sie schon sehr gespannt. Als sie Joseph, den Weihnachtshelfer anlächelte, war ihr, als würde er ihr zuzwinkern.

Bild 3 Daniela wanninger

Unsere heutige Gewinnspielfrage lautet: An wen muss Anna denken, als sie Joseph das erste Mal sieht?

Schreibt eure Antwort unten in das Kommentarfeld.

Euer Gewinn wurde von Susanne Leuders in liebevoller Handarbeit hergestellt und ist ein Lesezeichen.

Wir drücken euch fest die Daumen.IMG_0063

7 Gedanken zu „11. Dezember

  1. Anna muss an einen Giftzwerg denken, dessen Bart irgendwie eingeschneit wirkt
    Viele Grüße aus Dresden

  2. an einen Giftzwerg, dessen Bart eingeschneit wirkte

  3. Als sie Joseph sah, musste sie an einen Giftzwerg denken, dessen Bart irgendwie eingeschneit wirkte.
    Tolles Lesezeichen 🙂

  4. Wenn Sie einen Wicht sah, musste sie an einen Giftzwerg denken, dessen Bart irgendwie eingeschneit wirkte.

  5. Anna denkt an einen Giftzwerg, desen Bart aussieht als wäre er eingeschneit

  6. an einen Giftzwerg, dessen Bart wie eingeschneit aussieht 😀

  7. an einen Giftzwerg, dessen Bart eingeschneit wirkte

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