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weil heute Montag ist …

gibt es heute ein Autoreninterview mit Claudia Schwarz

Claudia Schwarz

Wie kam es, dass du ein Buch schreiben wolltest. Kam dir ganz spontan der Gedanke oder gab es einen Auslöser?

Ich schreibe bereits seit meiner Kindheit, habe selber unglaublich viele Bücher verschlungen. In meiner Phantasie nahm alles Gestalt an, und es kamen immer jede Menge eigene Ideen dazu. Irgendwann habe ich damit begonnen, sie aufzuschreiben. Besonders fasziniert war ich damals von Gestalten wie Robin Hood, Rittern und Burgen und dem damit verbundenen Mittelalter sowie auch von Piraten und dem abenteuerlichen Treiben um sie herum.

Als ich erwachsen wurde, beschäftigten mich dann andere Dinge weit mehr. Ich heiratete, gründete eine Famile, und es fehlte mir die Zeit. Vor einigen Jahren habe ich meine Leidenschaft dann wieder neu entdeckt und möchte sie nie wieder missen, denn das Schreiben ist ein wichtiger Bestandteil meines Leben.

Hast du dich dann einfach hingesetzt und losgeschrieben?

Nachdem ich das Schreiben wieder aufgenommen hatte, habe ich mich hingesetzt und getippt, wann immer die Zeit es zuließ. Damals waren meine Kinder noch klein, so dass es meist am Abend geschah. In mir schlummerten derart viele Ideen und Phantasien, dass es einfach so aus mir herauszufließen schien.

Wie viel Zeit hast du für die Vorbereitung benötigt und wie viel Zeit fürs Schreiben?

Vorbereitet  im eigentlichen Sinne bin ich so gut wie nie. Ich fange mit einer Grundidee an. Dann schreibe und schreibe ich  und vergesse dabei die Zeit. Wenn ich mich an den Tisch setze, weiß ich nur selten, was den Figuren an diesem Tag in meiner Geschichte passieren wird.

Ich sitze zumeist morgens am PC und phantasiere dann ca. 4-5 Stunden. Danach wird es schwieriger, da meine Familie Aufmerksamkeit fordert. Dennoch setze ich mich immer wieder an die Geschichte und versuche, den ein oder anderen Satz zu formulieren. Am Abend lese ich mir abschließend noch einmal das durch, was ich am Tag geschafft habe und korrigiere es.

Ich habe schon oft gehört, dass Autoren berichten, dass ihre Figuren ein Eigenleben entwickeln. War das bei dir auch so?

Eigenleben ist gut!! Meine Figuren existieren! Definitiv! Das glaubt Ihr nicht? Dann muss ich Euch hiermit eines besseren belehren. Manchmal reagieren sie im Laufe einer Szene völlig anders, als ich das geplant hatte, und sie können ganz schön dickköpfig sein. Dann sitze ich, die ja eigentlich die Fäden in der Hand hält, kopfschüttelnd vor dem Geschehen, und man hört mich schon mal seufzen: „Brendan, Brendan – was hast du dir bloß dabei gedacht?“

Ja, so ist das mit dem Eigenleben von Figuren …

Wie stark arbeitest du die Charaktere heraus? Wie findest du Namen und woher holst du die Figuren?

 Natürlich kreiert man zunächst seine einzelnen Protagonisten und Antagonisten. Oft kommen später jedoch überraschend noch weitere Charaktere dazu (so viel wieder zum Eigenleben der Figuren – sie „schleichen“ sich klammheimlich ins Geschehen … tststs).

Namensuche ist immerso eine Sache. Es ist mir natürlich wichtig, dass sie klangvoll sind. Vor- und Nachname sollten zueinander passen, und wenn es mich richtig packt, dann verbindet meine Figur etwas mit ihrem Namen (z.B. der meiner derzeitigen rothaarigen Protagonistin „Sionnach“, deren Name die Bedeutung „Fuchs“ besitzt ). Natürlich stellt man sich anfangs vor, wie die Figuren aussehen und ob sie bestimmte Eigenschaften besitzen, doch so richtig wachsen die einzelnen Charaktere erst mit der Geschichte.

Woher ich die Figuren „hole“? Hmm … gute Frage. Ich lasse mich gern von meiner Umgebung inspirieren, aber auch durch Schauspieler, die ich als besonders passend in der Rolle einer meiner Figuren empfinde. Und wer weiß, vielleicht wird er oder sie ja tatsächlich einmal in einem Film den Charakter aus einer meiner Geschichten darstellen! ;o))

Soll ich Euch so nebenbei mal ein kleines Geheimnis verraten? Nicht selten verliebe ich mich sogar ein bisschen in eine meiner Figuren. Auch wenn es jetzt ein wenig verrückt klingen mag – einmal gab es ein Manuskript, in dessen von mir geschaffene Welt ich während des Schreibens am liebsten hineingekrochen wäre, um meinen „Helden“ hautnah begleiten zu können …

Wie sehen deine Recherchearbeiten aus? Kennst du die Gegend, in der dein Roman spielt?

Die Recherche nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Ich arbeite überwiegend mithilfe des Internets, da sich dort ein großer Teil der Informationen sammeln lässt, die ich benötige. Sollte ich doch einmal etwas nicht herausfinden, wende ich mich an meinen Mann ( er ist ausgesprochen klug! ) oder frage Freunde, von denen ich mir aufgrund ihres Wissens Hilfe erhoffe. Auch wissenschaftliche und historische Sendungen im Fernsehen haben sich schon als sehr aufschlussreich erwiesen. Außerdem besuche ich viele historische Orte und präge mir das Gesehene ein, indem ich für eine kurze Weile meine Welt verlasse und das „Tor zur Vergangenheit“ durchschreite. Abgedreht, denkt Ihr? Vielleicht. Aber indem ich mich und meine Phantasie emotional auf eine längst vergangene Zeit einlasse, empfinde ich, begreife ich, formen sich lebendige Ideen in meinem Kopf.

Da ich mich zurzeit im Genre „Historischer Roman“ bewege, gehe ich ausgesprochen akribisch vor und versuche, mich so genau wie möglich an den damaligen Gegebenheiten zu orientieren. Da kann es schon mal vorkommen, dass ich mich den gesamten Nachmittag lang im Internet vertiefe, um eine Kleinigkeit herauszufinden. Oder ich lege mein Ohr an die verwitterte Mauer einer alten Burg und „lausche“ der Geschichte, die sie erzählt. Das ist vermutlich auch die Ursache, warum es manchmal recht langsam mit dem Manuskript vorangeht. Jedoch ist es mir wichtiger, historisch korrekt zu schreiben als schnell fertig zu werden.

Ich lege viel Wert darauf, authentisch zu sein. Darum besuche ich – sofern sich mir die Chance bietet – stets die Handlungsorte meiner Geschichten. Wenn meine Leser später den Eindruck haben, den tannennadelnbedeckten Waldboden unter den nackten Fußsohlen zu spüren, den Duft reifer Heidelbeeren zu riechen und während des Lesens zusammen mit ihrem Held schaudernd ihre Hände in die eiskalte Flut eines schottischen Gebirgsbachs tauchen, dann hat sich jede Reise gelohnt, denn ich habe ihre Sinne berührt.

Dein Buch ist fertig geschrieben und was passiert dann?

Sobald ich den letzten Satz einer Geschichte geschrieben habe, fühle ich mich zunächst unglaublich erleichtert.

Auch wenn es bei Außenstehenden oft auf wenig Verständnis stößt – es bedeutet durchaus ein hartes Stück Arbeit, jeden Tag „so ein paar läppische Seiten zu Papier zu bringen“, ganz zu schweigen von dem Druck, Termine einhalten zu müssen.

Die nächsten zwei Tage lehne ich mich dann erstmal entspannt zurück und genieße das Nichtstun. Dann geht es nochmal ran ans fertige Manuskript, um es einmal komplett durchzulesen und etwaige Fehler auszubessern. Anschließend wird es ans Lektorat weitergereicht, und es heißt Warten. Spätestens am dritten Tag überfällt mich die Sehnsucht nach meinen Figuren, und ich wünsche sie mir zurück. Es ist beinahe so, als ob man sein Kind allein in die Gefahren der großen weiten Welt entlassen hat und sich danach sehnt, es wieder in den Armen zu halten. Schließlich kehrt es zu einem zurück und man hofft, dass es sich während seiner „Reise“ ins Lektorat nicht allzu sehr verändert hat.

Doch wie Kinder müssen auch Manuskripte heranreifen und benötigen Feinschliff. Also geht es ans Überarbeiten, was bedeutet: Lesen und korrigieren, bis die Augen tränen. Erst wenn alle Beteiligten zufrieden sind, erhält mein „Baby“ seinen Segen und darf seinen Weg in die harte, literarische Welt antreten.

Ich weiß, dass du mit einer Literaturagentur zusammenarbeitest. Kannst du Autoren den Schritt über eine Agentur, gleich welcher, empfehlen oder ist es nicht besser, selbst als Autor einen Verlag zu finden?

Als mich der Wunsch überkam, der Welt meine literarischen Ergüsse zu präsentieren, habe ich mich zunächst voller Enthusiasmus selbst an Verlage gewandt, in der naiven Hoffnung, man habe nur auf mich gewartet. Böööse Falle!

Als unbekannter Autor kann man eine schimmernde Perle sein. Wenn das Manuskript das Glück erfährt, durch unaufgefordertes Einsenden auf dem Schreibtisch eines Lektorats zu landen, ist die Wahrscheinlichkeit trotzdem sehr groß, dass man ungelesen in den Papierkorb wandert und man – sofern man einen guten Tag erwischt hat – die freundliche, aber routinierte Massen-Absage eines dort arbeitenden Praktikanten erhält.

Wenn man sich sowohl Frust als auch ein am Boden liegendes Selbstwertgefühl ersparen möchte, kann ich jedem Autor, der mehr als nur ein Buch schreiben möchte, nur wärmstens empfehlen, sich mit seinen Ideen an eine Literaturagentur zu wenden. Ein guter Agent betreut seinen Autor in allen Dingen rund um das Projekt  Buch und bietet sogar in „Notfällen“ wie beispielsweise emotionalen Ausbrüchen schon mal seine tröstende Schulter an ( sofern man sich einem guten Agenten anvertraut hat, was in meinem Falle absolut zutrifft! ) .

Agenten kommen nicht selten selbst aus dem Verlagswesen und bringen sowohl Erfahrung als auch Kontakte mit, die einem als Autor, insbesondere einem Newcomer,  zumeist fehlen. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil besteht darin, dass die Agentur dem Autor den Rücken freihält, sich im Hintergrund kümmert, Telefonate und Schriftverkehr mit den Verlagen übernimmt und dem Autor einiges an Arbeit erspart, damit dieser sich dem widmen kann, was er beherrscht: Dem Schreiben.

Das war es. Falls dir noch etwas auf dem Herzen liegt, was du schon immer mal loswerden wolltest, kannst du es jetzt gern tun.

Sooo … ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Einblick in mein Schreibtischtäter-Dasein ermöglichen und wünsche mir, dass ich Euch auch in Zukunft gaaaanz viele gefühlvolle und unterhaltsame Stunden bieten kann und Ihr Euch für eine Weile in die Welt meiner Phantasie entführen lasst. Ich bin dann jetzt mal weg – Brotteig kneten, Hühner füttern, Wasser holen, Strümpfe stopfen, den Burghof fegen, mein Pferd satteln…*leisevormichhinmurmel*

Wenn ihr Sionnach und Brendan, die beiden schottischen Helden näher kennenlernen möchtet, dann lest Hochlandfuchs von Claudia Schwarz. Derzeit arbeitet sie an der Fortsetzung, die, so viel kann ich schon verraten, absolut spannend und romantisch zugleich wird. Hochlandfuchs_nur front

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