Geschrieben am

Die Erschafferin von Raukland

Autorin und Verlegerin grübeln noch immer, in welchem Genre wir die Raukland Trilogie ansiedeln wollen .. vielleicht könntet ihr uns hier ja helfen?
Raukland ist kein Fantasyroman, weil ohne die klassischen fantastischen Elemente. Wohl spielt die Trilogie in einem erdachten Land zu einer erdachten Zeitepoche. Ein historischer Roman ist es auch nicht, da außer dem Fechten, nichts historisch belegt ist. Dennoch könnte der Roman im Mittelalter angesiedelt sein. Ist er also ein Pseudohistorischer Roman? Oder ein pseudofantastischer?

Ich lasse euch jetzt erst einmal grübeln, und stelle euch die Erschafferin dieser imaginären Welt vor.

Jordis Lank. Jordis Lank

Wie viele Bücher hast du bereits veröffentlicht?

Noch keins. Der erste Band der Raukland-Trilogie „Rauklands Sohn“ wird am 7. März 2013 erscheinen.

Wie kam es, dass du ein Buch schreiben wolltest? Kam dir ganz spontan der Gedanke oder gab es einen Auslöser?

Ein Buch zu schreiben war schon zu Schulzeiten mein Traum. Meine erste Erinnerung an Schreibversuche stammen aus einer Zeit, da war ich 12 und kam vom einem Ponyhof. Ich schrieb die ersten zehn Seiten einer Geschichte von einem sprechenden Schimmel mit dem Titel „Lukas, ein Pferd erzählt“. Danach fiel mir dummerweise nichts mehr ein, aber ich weiß jetzt noch, dass ich in eine schwarz-rote Kladde schrieb, die ich sicherheitshalber mit dem Hinweis „Namen und Handlung sind frei erfunden“ versah :o. Darauf folgten viele Szenen mit wiederkehrenden Charakteren, aber ohne engen Zusammenhang.

So dümpelte mein Traum vor sich hin, während ich mir – inzwischen berufstätig – erfolgreich einredete, ich hätte gar keine Zeit, einen Roman zu schreiben.

Der konkrete Auslöser war dann ausgerechnet ein Seminar meines Arbeitgebers. Die Seminarleiterin wollte uns dazu animieren, etwas völlig Neues auszuprobieren: nämlich eine Kurzgeschichte zu schreiben. Eine Stunde hatten wir Zeit, dann sollten wir das Ergebnis den Teilnehmer vorlesen. Eine Stunde? Panik! Niemals! Aber es ging tatsächlich. Ich fiel trotz Lärm und Gejammer (das eigene war das lauteste) um mich herum in eine Geschichte – und da habe ich begriffen, dass das einzige, was ich tun musste, um mir den Traum von einem eigenen Buch zu erfüllen, das war: Anfangen.

Hast du dich dann einfach hingesetzt und losgeschrieben?

Erst ja. Ich habe dann aber ziemlich schnell gemerkt, dass ich viel Zeit mit Versuch-und-Irrtum verbringe, und mich nach Schreibratgebern und Workshops umgeschaut. Die Schreibratgeber waren super, um die Grundlagen zu erlernen (bis dahin war mir nicht einmal klar gewesen, wie viel es beim Schreiben zu lernen gibt!). Sich selbst und seinen Stil beim Schreiben zu finden, geht meiner Meinung nach aber nicht aus Büchern, sondern nur durch schreiben, schreiben und noch viel mehr schreiben.

Am wertvollsten war die Textkritik aus den Workshops. Die hat dafür gesorgt, dass meine erste Version im elektronischen Himmel verschwand (zum Glück!). Auch danach habe ich den Text noch dutzende Male komplett überarbeitet, bis ich ihn schließlich einer Agentur angeboten habe – und es hat geklappt!

Wie viel Zeit hast du für die Vorbereitung benötigt und wie viel Zeit fürs Schreiben?

Vorbereitung und Schreiben vermischen sich bei mir. Ich lerne meine Figuren beim Schreiben kennen, indem ich Szenen aus ihrer Perspektive schreibe. Dabei ergeben sich nicht nur deren Eigenheiten, sondern auch weitere Plotfäden und Konflikte.

Wenn ich das genaue Ende des Buches weiß, lösche ich die geschriebenen Szenen und beginne mit dem eigentlichen Text. Der detaillierte Plot ergibt sich dann in mehreren Zyklen. Wobei ich beim dritten Band der Raukland-Trilogie einen komplett ausgearbeiteten Kapitelplan hatte, bevor ich das erste Wort geschrieben habe. Ich bin immer noch dabei herauszufinden, wie ich am besten arbeiten kann.

Ich habe schon oft gehört, dass Autoren berichten, dass ihre Figuren ein Eigenleben entwickeln. War das bei dir auch so?

Ja! Und ich liebe es! Ganz zu Beginn sind die Charaktere noch formbar und ich kann bestimmen, ob sie gerne früh aufstehen, Morgenmuffel sind oder Angst vor Fledermäusen haben und warum. Aber wenn ich mich genügend mit ihnen beschäftigt habe, dann gibt es diesen einen magischen Moment: ab da verselbständigen sie sich, und es fühlt sich an, als ob sie tatsächlich existieren. Ich kann ihnen dann zwar Hindernisse in den Weg legen, aber wie sie damit umgehen, entscheidet die Figur selbst – jedenfalls fühlt es sich so an ;). Und wenn meinen Figuren der Plot nicht gefällt, werden sie auch schon mal bockig und zwingen ihre Autorin eine Szene komplett umzuschreiben.

Wie stark arbeitest du die Charaktere heraus? Wie findest du Namen und woher holst du die Figuren?

Meine Geschichten sind voller Abenteuer, aber die Hauptrolle spielen immer die Figuren und wie ihre Begegnungen und Erlebnisse sie verändern. Für mich sind sie das Allerwichtigste und ich hoffe, dass sie nicht nur für mich, sondern auch für meine Leser lebendig werden.

Mit der Namenssuche kann ich Stunden verbringen. Zum Glück gibt es tolle Seiten, die auf nordische Namen spezialisiert sind, aber viele Namen entstehen auch durch Buchstabenschieben auf meinem Zettel. Ich könnte auch nie einen Namen ändern, ohne gleichzeitig die Figur zu verändern. Wie Eltern Namen für ihren Nachwuchs erdenken können, bevor sie das Baby gesehen haben, ist mir völlig schleierhaft. Was, wenn Benjamin gar nicht wie Benjamin aussieht? 😮

Wie sehen deine Recherchearbeiten aus? Kennst du die Gegend, in der dein Roman spielt?

Ich liebe es zu recherchieren. Ich war in Wien, um mir z.B. die Rüstkammer anzusehen, habe dutzende Burgen und Museen besichtigt, sowie unzählige Mails mit Institutionen und Experten ausgetauscht. Die Welle der Hilfsbereitschaft, die auf den Satz „Ich recherchiere für einen Roman“ folgt, berührt mich immer wieder aufs Neue. So viele Menschen haben mir großzügig ihre Zeit und ihr Wissen geschenkt und manche begleiten mich durch alle Bände.

Im Buch erlernt Liam von Ronan beispielsweise das Fechten mit dem langen Schwert. Die Art und Weise wie Ronan ficht, und wie er es vermittelt, ist direkt aus den historischen Aufzeichnungen mittelalterlicher Fechtmeister recherchiert. Nichts davon ist ausgedacht – alles steht genauso in fünfhundert Jahre alten Manuskripten. Das konnte ich natürlich nicht allein recherchieren, sondern hatte sehr viel Hilfe von Herbert Schmidt, Experte für Historischen Europäischen Schwertkampf, der die historischen Quellen analysiert und die damaligen Fechtkünste erneut zum Leben erweckt. Ich habe ihn in Österreich besucht und durfte auch selbst mit dem Langschwert fechten – ein unvergessliches Erlebnis! Wenn Ihr mal gucken wollt, hier ist ein Bild aus einem uralten Fechtbuch aus dem Jahre 1470: Codex Wallerstein .

Die Gegend, in der mein Roman spielt, kenne ich natürlich nur in der heutigen Zeit, aber meine Islandreisen haben sich ganz eindeutig in der rauen, nordischen Landschaft in „Rauklands Sohn“ niedergeschlagen.

Dein Buch ist fertig geschrieben und was passiert dann?

Wenn ich selbst mit dem Text zufrieden bin, geht er erst an meine Experten, um sicherzustellen, dass ich trotz Recherche und Socken-von-den-Füßen-Fragen nicht doch noch was verbockt habe. Danach geht das Buch an meine treuen Testleser. Das ist eine spannende Zeit, denn es gibt immer wieder Szenen, die beim Leser anders ankommen als ich es beabsichtigt hatte. Wenn nötig, arbeite ich um und dreh noch eine Testleser-Runde. Danach geht das Buch zu meiner Agentin und findet hoffentlich auch dort Anklang.

Ich weiß, dass du mit einer Literaturagentur zusammenarbeitest. Kannst du Autoren den Schritt über eine Agentur, gleich welcher, empfehlen oder ist es nicht besser, selbst als Autor einen Verlag zu finden?

Ich habe mir von vorne herein eine Agentur gesucht, die mich vertritt. Meine wunderbare Agentin Anna Mechler von der Literaturagentur Lesen und Hören hat den Buchmarkt viel besser im Blick als ich, und steht mir bei allen Fragen zur Seite. Mir bleibt damit mehr Zeit für das, was ich am allerliebsten tue: Schreiben. Ich kann jedem Erstautor nur empfehlen eine Agentur zu suchen.

Werden dich Leser auf der Leipziger Buchmesse treffen?

Ja, ich werde Samstag, den 16.März, den gesamten Tag und Sonntag, den 17.März, am Vormittag am Verlagsstand sein, meine Bücher signieren und auch vorlesen.

Gibt es noch etwas, was du schon immer mal loswerden wolltest?

Wenn ich erzähle, dass ich ein Buch geschrieben habe, höre ich oftmals ein sehnsuchtsvolles Seufzen und den Satz: „Das wollte ich schon immer mal machen!“, gefolgt von einem, „Aber …“. Ich habe selbst massenhaft Abers gedacht, bevor ich endlich ernsthaft anfing zu schreiben, und dabei so viel verpasst: All die Welten, in die ich hätte eintauchen können! All die Figuren, die ich hätte kennenlernen können!

Was ich loswerden möchte: Wenn Ihr den Wunsch zu Schreiben in Euch spürt – dann tut es. Nicht wegen einer möglichen Veröffentlichung oder um reich und berühmt zu werden (letzteres passiert ohnehin nur den Allerwenigsten), sondern wegen dem Schreiben selbst. Schreiben ist ein viel intensiveres Erlebnis als das Lesen. Manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit und das Schreiben ist wie ein Rausch – ein einzigartiges, großartiges Gefühl, das süchtig macht. Vielleicht wollt Ihr es ja mal ausprobieren?

www.jordis-lank.de
Die Autorin auf Facebook

Fanpage der Raukland Trilogie

Rauklands Sohn noch bis zum 7.März zum Vorzugspreis von 10 Euro vorbestellen – erstmalig Buch und E-Book in einem Stück.
[wpshopgermany product=“24″]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.