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Wülferode und Technik

Wellengeflüster in Wülferode

Manchmal kommt es anders als Frau denkt.

Am 5. Juli feierte unsere Autorin Brina Stein ihr 15-jähriges Kreuzfahrtjubiläum und wir haben im Hintergrund schon seit einigen Monaten geplant und gewerkelt. Preise organisiert, überlegt und Brina hat ein kleines Bonus e-Book verfasst.
Es gab dann noch ein wenig Hin und Her wegen des Covers, es sollte schließlich schick sein und euch gefallen. Letztendlich haben wir das perfekte Cover gefunden und mein Dank gilt dem Grafikdesigner, der uns in dieser Findungsphase ertragen hat.

Der 5. Juli kam und was passierte? Nix.

Brina war schon so aufgeregt, und kein kostenloses e-Book weit und breit in Sicht.
Tja, Andrea hatte vergessen, beim e-Book-Distributor auf „veröffentlichen“ zu klicken. Zwar hatte ich angegeben, dass das e-book am 5. Juli erscheinen soll, aber den finalen Klick habe ich schlicht vergessen. Das wurde dann etwas hektisch hier, also auf veröffentlichen geklickt und tatsächlich: Mittags war das e-book bei Amazon.
Ich trau mich fast gar nicht zu sagen, was wir da sahen: Ich hatte das falsche Cover hochgeladen. 🙁

Es wurde noch etwas hektischer.

Cover ausgetauscht, alles neu hochgeladen, freigegeben, veröffentlicht – aber das falsche Cover blieb. Es kam sogar noch schlimmer. So schnell konnten wir gar nicht gucken, wie das e-Book bereits einen Rank auf Amazon hatte. Und das, wo wir nicht ein Sterbenswörtchen verloren hatten.

Brina meinte zu mir: „Ach, es weiß ja niemand, dass wir das e-Book haben, dann machen wir das halt am nächsten Tag.“

Der 6. Juli kam – und … nix. Immer noch das falsche Cover. Ich habe dann beim e-Book-Distributor interveniert, die Mädels haben sich auch ganz lieb gekümmert. Und falls das Ganze nochmal ne Ewigkeit dauern sollte, haben wir das kostenlose Bonus e-Book auch hier im Verlagsstore eingestellt. Diese Gelegenheit wurde dankbar angenommen und unsere Shopleitung hat über Nacht regelrecht geglüht.
Mittlerweile könnt ihr die feiernden Landfrauen aus Wülferode auf Amazon mit korrektem Cover sowie in allen anderen e-Book-Stores finden.

Ende gut, alles gut.

Auf jeden Fall war mir das eine Lehre, lieber dreimal zu kontrollieren, als einmal solchen Stress zu verursachen.

Brina – auf den Schreck hast du bei mir noch was gut. Und euch viel Spaß mit den drei Landfrauen in Wülferode!

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In Memoriam

Die letzte Strophe
deines Liedes
war verklungen
als er deinen Namen rief
in uns jedoch wird’s
nie verstummen
es singt ganz leise
seelentief.

Edith Maria Bürger

In tiefer Trauer geben wir das Ableben unserer geschätzten Autorin Leo Pinkerton bekannt.
Der Familie und allen Angehörigen – vor allem ihrem Lebensgefährten – drücken wir unser tiefstes Beileid aus.

Leo kam 2013 durch Vermittlung in unseren Verlag. Gemeinsam veröffentlichten wir die fantastische Liebesgeschichte Luftpost zwischen Tag und Nacht.
Als ehemalige Grundschullehrerin ließ sie das Malen mit Buchstaben nicht los und sie schuf die wunderbare Geschichte für Kinder im Erstlesealter: Der Magier aus dem Finsterwald.
Kurz nach Veröffentlichung des Buches ereilte sie im Februar 2016 ein Schlaganfall, von dem sie sich seitdem nicht mehr erholt hat. Daher können wir mit tiefer Gewissheit sagen, dass der Tod eine Erlösung für sie war.
Sie war ein lebenslustiger Mensch mit vielen Talenten und ich bin froh, dass ich sie persönlich kennen durfte.

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Einmal um die Welt … mit Brina Stein!

115 Tage auf einem Kreuzfahrtschiff verbringen? Davon 68 Tage nur Wasser um sich herum? Wie fühlt sich das an? Autorin Brina Stein hat dies selbst erlebt und nun schickt sie ihre Helden in ihrem Roman um die Welt.

 

Wir freuen uns, Brina Stein als neue Autorin in unserem Haus begrüßen zu dürfen. Ihr erster großer Roman 115 Tage an Tisch 10 – Wellengeflüster auf Weltreise“ wird am 31. Januar 2017 in unserem Verlag erscheinen.  Es ist bereits das sechste Buch der Autorin, die erstmals 2012 veröffentlichte. Brina Stein (bürgerlicher Name Sabrina Reulecke) schrieb zuerst ausschließlich Kurzgeschichten und konnte mit ihren ungewöhnlichen Perspektiven aus der Sicht von Gegenständen und Tieren eindeutig eine Nische im maritimen Buchmarkt für sich besetzen. Auf Wellengeflüster I und II folgten zwei außergewöhnliche Jahresausklänge, die auf Madeira und Sylt spielten. Brina Steins Bücher fanden in den letzten Jahren zahlreiche Lesefans in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

In ihrem neuesten Werk „115 Tage an Tisch 10 – Wellengeflüster auf Weltreise“ entführt die Autorin den Leser gleich auf vier Kontinente und in ungewohnte Weiten: Europa, Südamerika, Australien und Afrika heißen die Ziele, die das Kreuzfahrtschiff Kosta Onda in 115 Tagen besuchen wird. Brina Stein nimmt ihre Leser mit zu den schönsten Plätzen ihrer Reise und zu den interessantesten Erfahrungen ihrer eigenen Weltreise, die sie selbst im Jahr 2015 unternahm. Was passiert, wenn drei chaotische, verrückte, aber absolut liebenswerte Landfrauen allabendlich am Tisch 10 auf den nörgeligen Rentner Bruno treffen? Es lässt den Leser manchmal schallend lachen, dann wieder nachdenklich werden. Man versteht schnell, dass eine Weltreise – der große Traum – Menschen und ihre Sichtweisen im Laufe der Zeit nachhaltig verändert. „Vieles im Buch ist zu 100% echt“, verrät uns die Autorin, betont aber, dass die Handlungen ihrer Hauptfiguren alle frei erfunden sind. Und um ihre Leser zu beruhigen, ergänzt sie auch noch, dass sie selbst das Hospital des Schiffes nie von innen gesehen hat, im Gegensatz zu ihrer Figur Jessica (bekannt aus der Wellengeflüster-Buchreihe), die natürlich mit ihrem Mann Tim auch an Bord ist und die der Autorin sehr nahesteht. Die Wellengeflüster-Stammleser lieben an den Werken der Autorin ihre fiktiven Sichtweisen, also die Perspektiven aus der Sicht von Tieren oder Gegenständen. Und sie werden nicht enttäuscht. Neben den beliebten Sylter Geistern Erwin und Paul gibt es auch ein Wiedersehen mit dem kleinen Engel und seinem gestrengen Boss, dem großen Amor.

Geschrieben hat die Autorin dieses Buch übrigens, nachdem sie von ihrer eigenen Weltreise zurückgekehrt ist. „Während des Schreibens tauchte ich erneut in die Welt ein“, berichtet sie, „und wenn meine Helden sich im Buch freuen, dass die Südsee salzig schmeckt, dann war auch ich wieder auf Moorea.“ Dem aufmerksamen Leser entgeht nicht, dass zum Ende des Romans Fragen offenbleiben und so ist es denkbar, dass es mit diesen unvergleichlichen Figuren ein Wiedersehen gibt. Ein wunderschöner Roman für alle Wellengeflüster-Fans und solche, die es werden wollen. Man muss übrigens die anderen Bücher der Autorin nicht gelesen haben, um dieses Werk zu verstehen.

„115 Tage an Tisch 10 – Wellengeflüster auf Weltreise“

ISBN: 978-3-946049-09-8 332 Seiten Klappenbroschur ET: 01. Februar 2017 (aktuell noch zum Subskriptionspreis von 13,50 Euro vorbestellbar)

15 Euro.

Wellengeflüster® ist eine eingetragene Marke der Kreuzfahrtautorin Brina Stein.

 

 

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Wir begrüßen euch auf der Buch-Berlin

Bereits zum dritten Mal öffnet die Buch-Berlin ihre Pforten und in diesem Jahr im riesigen Estrel.
Am 19 und 20. November ab 10 Uhr gibt es in der Sonnenallee viel für die Sinne, denn es sind nicht nur Kinderbuchverlage vor Ort, sondern auch Fantasyverlage, Belletristik, Sci-Fi, Erotik und Selfpublisher. Eine bunte Mischung – und wir mittendrin!

Am Samstag feiern wir quasi die Buchpremiere unseres diesjährigen letzten Buches: Jako & Pepe – Das Geheimnis der Dornenhecke.

9783946049029Sandra Nenninger ist vermutlich furchtbar aufgeregt und kann die Nächte bis Samstag nicht mehr schlafen, sehen wir alle ihr Buchbaby doch erst am Samstag das erste Mal in live.

Die Illustration Sabine Goebel wird ebenfalls in Berlin sein und hat ihren Malblock dabei. Für einen kleinen Obolus zeichnet sie für euch und ich kann euch versichern, dass ihre Illustrationen einfach nur schön sind.

 

 

 

 

 

Was wäre eine Messe ohne unsere beiden Fantasyautorinnen Susanne Leuders und Lucie Müller?

Beide sind ebenfalls am Stand und ich freue mich schon riesig.
Susanne Leuders hat noch quasi in letzter Minute eine Lesung ergattern können, und wird am Samstag 11:30 Uhr im Saal 3 aus Angels Fall lesen.
Zusätzlich haben wir ein kleines Gewinnspiel zum Titel Angels Fall vorbereitet, die Gewinnspielkarten findet ihr direkt bei uns am Stand (die Lösung natürlich auch) oder unsere supernette Messehostess Maria überreicht sie euch am Eingang.

Zu gewinnen gibt es:
eine signierte Angels Fall- Tasche 2016-01-15 18.45.21

 

 

 

 

 

ein schweres Silberarmband mit Engelsflügeln 12570963_1114772895209182_1108943472_n
und 14690956_1828426420709520_4605642135504316152_n… natürlich: eines von den wunderschönen handgefertigten Lesezeichen.

 

 

 

 

 

 

Berlin, was wäre Berlin ohne unsere Claudi? Ja, auch die Fans von Claudi Feldhaus kommen auf ihre Kosten, denn Claudi wird ebenfalls bei uns vorbeischauen.

Wir hoffen, dass wir euch mit unseren Büchern viel Freude bereiten können und sehen uns dann am Wochenende!

PS: Leider hat irgend ein Internetwurm unseren Shop gefressen. Bitte bestellt direkt in eurem Buchladen des Vertrauens, bei den Autoren direkt oder auch überall im Internet (z.B. bei Amazonien)

 

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15. Dezember

 

15.12Die letzten Kreuzritter – Der Fluch der Gräfin (Veröffentlichung voraussichtlich im März 2015) heißt das Jugendbuch unserer neuen Autoren Lars und Uwe Hunsicker.

Lars Hunsicker ist mit gerade mal 10 Jahren unser jüngster Autor und verwöhnt euch heute mit einer kleinen Geschichte. Viel Spaß!

Kennt ihr Reizwortgeschichten? Genau so eine Aufgabe wurde Lars in der Schule gestellt.

Reizwörter:       Spinne, Stuhl, Lehrerin

Der dunkle Keller

„Guten Morgen“,, begrüßte die Klassenlehrerin ihre Schüler.

„Guten Morgen“, antwortete die Klasse im Chor.

„Heute schreiben wir eine Klassenarbeit im Fach Mathematik“, verkündete die Lehrerin. Ein Stöhnen ging durch die Reihen der Kinder. Die Lehrerin beachtete dies nicht und fuhr fort: „Lasse hole bitte die Trennwände.“

Lasse erbleichte. Er hatte inständig gehofft, dass er nicht an die Reihe genommen wird. Lasse stand widerwillig auf. Die Trennwände standen in dem Keller und er hatte Angst.

„Lasse traut sich das doch nicht“, sagte einer seiner Mitschüler und alle lachten. Lasse beachtete dies nicht, nahm seinen ganzen Mut zusammen und ging aus der Klasse in Richtung Keller. Als er an der Kellertür ankam klopfte sein Herz heftig. Sollte er da wirklich reingehen?

„Nicht nachdenken“, flüsterte Lasse und stieß die Tür auf. In dem Keller war es dunkel, nur eine kleine Lampe erhellte den Raum. Die Schatten flackerten irrwitzig in dem unwirklichen Licht. Lasse sah sich in dem Raum um. Der Raum war voller alter Sachen und in der einen Ecke stand ein Stuhl auf dem der Karton mit den Trennwänden stand.

Sein Herz pochte wild. Noch ein, zwei Schritte und er könnte den Raum samt Karton verlassen.

Urplötzlich ging das Licht aus. Wahrscheinlich ein Stromausfall, dachte Lasse und ging in die Richtung, in der er den Stuhl vermutete.

Dann ging das Licht wieder an und ein riesiger Schatten fiel auf die Wand. Lasses Herz rutschte fast in die Hose. Der Schatten sah aus wie eine Spinne, doch es gab keine so große Spinne auf der Welt! Langsam drehte er sich um.

Vor der Lampe saß eine Spinne, sie hatte den großen Schatten verursacht. Erleichtert drehte sich Lasse zu dem Stuhl um, holte den Koffer, schaltete das Licht aus und ging zurück in seine Klasse.

Als er ankam sagte seine Lehrerin: „Vorhin ist der Strom ausgefallen, ist dir etwas passiert?“

„Nein“, antwortete Lasse schmunzelnd.

Danach schrieben sie die Mathearbeit und Lasse dachte danach, dass es vielleicht noch schlimmer Dinge gab als alleine in den Keller zu gehen …

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14. Dezember

14.12

 

Advent, Advent, – die dritte Kerze brennt.

Gabi Buchholz hat für euch ein Festmahl zusammengestellt und heute könnt ihr wieder etwas gewinnen: Eine Printausgabe von Passato e futuro, wartet auf ihren neuen Besitzer.

Cover Passato e futuro

 

Meine lieben Leser, anlässlich unseres Weihnachtsfestes und meines Buches Passato e Futuro – Mein Weg in ein neues Leben, das zum großen Teil von meiner Zeit in Sizilien handelt, möchte ich ein original sizilianisches Weihnachtsessen vorstellen.

Ein italienisches Weihnachtsrezept

 

Baccala frittata                                                   bild zu Gabis Rezept stockfisch

Getrockneter Stockfisch

Lauchzwiebel

schwarze Oliven

Gesiebtes Mehl

Den Stockfisch in Blöcke schneiden und ca. 3 Tage in Wasser einlegen und das Wasser täglich wechseln.

 

Am Weihnachtstag wird der Fisch zubereitet. Wir legen den Fisch in einen Topf mit kochendem Wasser und lassen ihn ca. 5-10 Minuten leicht köcheln. Dann gut abtropfen ( vielleicht mit Zewa ) und in eine Mehlpanade legen und leicht salzen. In einer Pfanne Olivenöl heiß werden lassen und den Fisch darin brutzeln lassen. In einer anderen kleinen Pfanne die geschnittenen Lauchzwiebeln leicht braun werden lassen und im Anschluss die schwarzen Oliven hinzugeben. Nachdem die Oliven leicht glasig sind, wird diese Beilage auf dem Fisch serviert.

Und hier jetzt meine Frage:

An welchem Tag wird das Gericht aus Gabis Rezept zubereitet?

Aus allen korrekten Antworten, die ihr unten ins Kommentarfeld eingebt, ermitteln wir den Gewinner per Los. Wir wünschen euch Guten Appetit! und Viel Glück!

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13. Dezember

13.12

Unser heutiger Adventskalender-Beitrag kommt von Claudi Feldhaus. Nachstehend findet ihr eine kleine Leserpobe aus ihrem Roman Familie, Liebe und andere Sorgen.
Gleichzeitig ist heute wieder ein Tag, an dem ihr etwas gewinnen könnt.

zwölf

Bei diesem Schwur blieb ich. In den nächsten Wochen brachte ich das Kind jeden Morgen zur Schule, flog dann per Bahn zur Arbeit, wo ich ohne Pause Akten bearbeitete, Anrufe annahm, mir die Sorgen der Chefin anhörte, mit Lieferanten stritt und zwischendurch auch die Kotze von Loras Baby wegwischte – die uns immer öfter besuchte. Nachmittags holte ich Basti immer häufiger bei Sandy und dem braven Janosch ab. Zuhause kontrollierteich seine Hausaufgaben und unterschrieb seine stets guten Noten. Vor allem Mathe lag ihm – genau wie seinem Vater! Die Therapie bei Dr. Schlüssel war meine Gelegenheit joggen zu gehen. Dem ging ich bei Wind und Wetter nach, denn den Vertrag im Fitnessstudio hatte ich aus Geldmangel kündigen müssen. Ich richtete Basti darauf ab, mir im Haushalt zu helfen. Er lernte Betten beziehen, Sockenmemory, Geschirr abtrocknen. Bald sah er von allein, wenn die Blümchen Durst hatten oder das Regal mal abgewischt werden musste. Ich meldete ihn zu Karate-Kursen und zum Fußballspiel an. Sandy half ich, ein Bildungspaket zu beantragen, woraufhin auch Janosch mit zum Sport konnte.

Ende September feierten wir Bastis zehnten Geburtstag mit großem Pomp. Sabine schickte uns unangemeldet eine riesige Überraschungstorte. Ich vermied es, sie anzurufen. Das Kind wusste von allein, wie man ein Telefon bedient. Wir grillten auf der Wiese vor dem Haus. Ich war nicht sicher, ob wirklich alle der anwesenden Kinder Freunde von Basti waren. Aber er schien alle zu kennen. Er war beliebt – genau, wie sein Vater es in der Schule gewesen war. An den Wochenenden unternahmen wir fast immer etwas mit Janosch. Er war nicht der Hellste, aber er schien wirklich ein liebes Kind zu sein. Sandy und ich gewöhnten uns bald an, zum arabischen Gemüsehändler unseres Vertrauens zu gehen und uns frische Zutaten, Kräuter, Gemüse und viel Obst zu leisten. Davon kochten wir für uns und die Kinder.

Damit versuchte ich, mein Gewissen zu beruhigen.

Basti aß in der Schule und ich hoffte, dass die Speisen dort halbwegs gesund waren und er daraus seine Vitamine beziehen konnte. Zuhause bekam er Obst und ab und zu raffte ich mich auf und bereitete ihm abends eine Gemüsepfanne aus Tiefkühlkost zu. Oft reichte das Geld dafür aber nicht. Wenn ich tagsüber im Büro etwas aß, dann Mikrowellenfraß oder belegte Brote. Mein gesunder Lebensstil musste dem Fakt weichen, dass das Kind ständig neue Hosen, Schuhe und andere Klamotten brauchte, weil es Wachsen am besten beherrschte. Basti blühte regelrecht auf, wenn er mit Janosch spielte. Er war zweifelsohne der dominantere in der Beziehung und gefiel sich in der Rolle des Welterklärers, auch wenn er das meiste erfand. Amüsiert darüber ließ ich ihn reden. Die Kindheit war dazu da, Dinge zu sagen wie: „In Lappland wohnen die Menschen sehr dicht zusammen. Daher das Sprichwort: Es läppert sich zusammen“ oder: „Eine Gebärmutterist die Chefin in einem Geburtshaus“ oder „Bevor sie heiraten, müssen Mann und Frau erst gründlich prüfen, ob sie mit allen wichtigen Teilen zueinander passen.“

Philip fing ein paar Wochen nach unserem Aufeinandertreffen im Soda an, mir Textnachrichten zu schicken. Da er mit mir flirtete, konnte ich mich wohl nicht allzu sehr daneben benommen haben. Ich antwortete, sobald ich Zeit und einen freien Kopf hatte. Er schrieb immer sofort zurück. Ich fragte mich, ob ihm klar war, dass ich mich nicht mit Absicht rarmachte. So oder so – es schien gut anzukommen. Schlussendlich tat es meinem Selbstbewusstsein ziemlich gut. Nachdem ich mich für Orgasmen nicht mehr genug entspannen konnte, war dies das einzige, was mir noch etwas natürliche Röte ins Gesicht trieb. In Ermangelung von Sport und sexueller Betätigung hatte ich mehr als eine Wohlstandsrundung bekommen. Ich trug eine Körbchengröße mehr Brust herum und immer öfter Oberteile, die den Bauchspeck kaschierten. Meine Hosen spannten am Bund, doch meine Beine waren schlank geblieben, da ich wenigstens das Treppensteigen beibehalten hatte. Mir graute zu sehr vor dem Dezembertermin bei Dr. Schmidtlein, also sagte ich schon Ende Oktober ab.

Um nachts nicht von meinem verkorksten Seelenzustand träumen zu müssen, besorgte ich mir Schlafmittel. Erst nahm ich Baldrian, dann zusätzlich Hustensaft und schließlich trank ich vor dem Zähneputzen einen Kräuterlikör. Als ich mich auch daran gewöhnt hatte, stibitzte ich Bastis Tabletten, die er hingegen immer seltener einnehmen wollte. Im Herbst lösten wir endlich Yannicks Wohnung auf, die von sozialen Einrichtungen fast völlig leer geräumt worden war. Ich war überrascht, dass der Vermieter sich gnädig zeigte und keine Renovierung der Wohnung von mir verlangte. Dafür durfte er aber auch die Kaution behalten, die mein Bruder vor Jahren bezahlt hatte.

Eines Tages flatterte ein Schreiben von Herrn Seifert, dem Notar, ins Haus, worin er uns über Yannicks Erbe aufklären wollte, was ich erfolgreich verdrängt hatte. Wie befürchtet konnte Basti bestenfalls dessen Schulden bekommen. Eswar nicht ganz einfach ihm zu erklären, dass er nicht die Pflicht hatte, irgendwann die Schulden seines Vaters abzubezahlen.
„Aber du hast doch auch die Pflicht, dich um mich zu kümmern!“, argumentierte er.
„Basti, du hast keine Schuld! Du bist mein Neffe und ich habe dich lieb!“ Von mir selbst überrascht, sah ich ihn durchdringend an. Dann drückte er mich ganz fest und weinte das erste Mal seit Wochen.

Anfangs meldete sich Sabine ab und zu. Sofort reichte ich den Hörer an Basti weiter der ihr erzählte, wie viel Spaß er hätte und dass wir dieses Wochenende schon was vorhätten, Markus ihn also nicht zu holen bräuchte.

Erzähl es ihr! Sag ihr, dass ich klarkomme! Sag ihr, dass du glücklich bist!! Dann erzählt sie es Markus … feuerte ich ihn in Gedanken an – mit tiefster Genugtuung.

Der November war überaus sonnig und trocken geblieben, es regnete nur selten und das wirkte sich äußerst positiv auf die Laune aller Berliner aus, besonders auf die meiner Chefin. Sie lud mich spontan zum Mittag ein: „Sie leistn wirklich ganz hervorragende Arbeit“, begann sie.
Aber???
„Freut mich, wenn Sie zufrieden sind“, antwortete ich verlegen.
„Ich komme am besten gleich zur Sache, lange Reden sind nich mein Ding!“
Oh nein!
Lora war in den letzten Wochen häufig zu Besuch gewesen, mittlerweile ohne Baby, da sie abgestillt und es bei ihrer Mutter abgestellt hatte. Sie verteilte Winks mit dem Zaunpfahl, dass sie bereit wäre, sofort wieder anzufangen und sich ganz klar von mir bedroht fühlte. Was sollte aus mir werden? Ich hatte ein bisschen was gespart, aber das würde nicht lange für mich und Basti reichen. Dann bliebe uns nur noch Hartz IV! Aber dafür müsste ich zusätzlich dem Klatschblatt um meine sexy Geschichten kündigen. Doch diese zu schreiben war das einzige halbwegs Kreative, wozu ich in letzter Zeit fähig war. Aufgrund meines fehlenden Sexuallebens tobte ich mich beim Schreiben dieser Texte aus, und die waren mittlerweile als qualitativ hochwertig zu bezeichnen! Meinte jedenfalls meine Redakteurin.
Jedes Zahnrad im Getriebe meines Hirns ratterte auf Hochtouren.
„Frau Feldheim … was würdn Sie davon haltn, wenn Sie für immer bei uns bleiben?“, sagte die Chefin dann freundlich.
Waaaaaas? „Oh?“, stieß ich hervor.
„Ich möchte, dass Sie ab jetzt eine Vollzeitstelle im Büro abdecken. Dann kann ich tagsüber ein bisschen zu den Standorten fahren und die Abläufe überwachen und Lora wird als junge Mutter sicher froh sein, nachmittags frei zuhaben.“
Inerster Linie wird sie angepisst sein!
Die Chefin las meinen Blick falsch und rief dann schnell: „Ach ja, Sie würden natürlich mehr Gehalt bekommen!“
Es dauerte einen Moment, bis ich mich gesammelt hatte. Wieder einmal hatte ich ihren Tonfall falsch eingeschätzt.<
„Prinzipiell wäre ich von dieser Idee sehr angetan!“, meinte ich dann, „Wie wären denn die Arbeitszeiten?“
„Was halten Sie von 9.30 -18 Uhr mit Pause? Lora könnte vor Ihnen kommen und schon mal alles vorbereiten.“
Herrje, wird die angepisst sein …!
Mein Hirn ratterte wieder: Wie sollte ich in Zukunft Bastis Therapie legen? Oder würde er allein hingehen? So verknallt, wie er in Dr. Schlüssel war, wäre das sicher das kleinste Problem. Und Joggen war sowieso schlecht für die Knie.
„Ich möchte das zuhause absprechen und sage Ihnen Bescheid!“, lautete meine Antwort. Tief in meinem Herzen hoffte ich, dass dies ein Zeichen war: Die ganze Arbeit hatte sich gelohnt, ich würde klarkommen!

Noch mehr verstand ich es als positives Zeichen des Universums, als die Chefin mir zum Feierabend einen Scheck überreichte. Dies sei ein kleiner Bonus für mich. Es waren 1500,00 Euro und genau so viel schuldete ich Markus noch dafür, dass er damals die Beerdigung meiner Mutter bezahlt und später auch die Anzahlung der Beisetzung meiner restlichen Familie vorgestreckt hatte. Ohne lange darüber nachzudenken, suchte ich eine Bank auf und ließ den Betrag auf sein Konto gutschreiben. In den Betreff schrieb ich: Danke für die jahrelange Unterstützung. Ob er mir wieder nur „Gerne“ antworten würde? Nichtsdestotrotz würde er wissen wollen, woher ich das Geld hätte und mich kontaktieren. Es wäre der allerbeste Beweis, dass ich großartig zurechtkäme und dass ich wieder die unabhängige kreative Frau war, in die er sich verliebt hatte. Ihm würde klar werden, was für ein Idiot er gewesen war unddann könnten wir uns wieder zusammenraufen!

Ich trat aus der Bank, fühlte mich erfolgreich und auch ein bisschen hübscher als heute Morgen und lief zur nächsten Tram Station, als ich Markus aus seinem Opel steigen sah. Er hatte soeben auf der gegenüberliegenden Straßenseite eingeparkt. Er trug Jeans, ein gut sitzendes asphaltgraues Hemd und eine Winterjacke unter dem Arm, die ich nicht kannte. Dann lief er zur Beifahrertür und öffnete sie einer Frau. Es traf mich wie ein Stöckelschuhtritt ins Herz. Sie war ein feenartiges Wesen, mit dunkelblondem Haar und langen Beinen. Ganz so groß wie ich war sie nicht, dafür aber viel dünner als ich es je war. Sie schenkte ihm ein bezauberndes Lächeln, zog ihre etwas zu große Nase kraus und ihr Alabasterhautgesicht strahlte verliebt. Noch bevor ich mich hätte verstecken können, hatte Markus mich erblickt. Er sah genauso erschrocken aus wie ich. In diesem Moment nahm sie seine Hand und kuschelte sich an seinen Oberarm. Dann erst bemerkte sie, dass er zu mir herüber blickte. Ich sah ganz genau, wie ihr Himbeermund ein „Kennst du die Dicke dahinten?“ formte. Meine Tram fuhr vor. Ich erkanntedie einzige Möglichkeit, mich nicht mit ihnen unterhalten zu müssen.

Auch wenn es restlos unfreundlich war, ignorierte ich Markus eindeutige Handbewegung und stieg ein. Als die Bahn kurz darauf wegfuhr, lächelte ich ihn freundlich an. Er sah wütend aus. Dann fiel mir ein, dass er morgen auf seinem Konto das Geld finden würde. Er würde denken, ich hätte es, nachdem ich die beiden gesehen hatte, zusammengekratzt und überwiesen. Er würde denken, es sei meine Art, mich auf ewig von ihm loszusagen und nicht, wie ich gehofft hatte, ihnzurückzugewinnen. Während Tränen der Enttäuschung an meinem porösen Gesicht herunter sprudelten, tippte ich eine SMS:
Sorry, ich hatte es nur so eilig …
Aber ich löschte sie. Sie war weder glaubwürdig noch würdevoll – genau wie ich!

Basti wartete heute zuhause auf mich.

Anstatt mich wie sonst fröhlich zu begrüßen, erkannte er sofort, dass ich geweint hatte. Wie uns auffiel, weinte ich immer noch. Nachdem er mich fünfmal gefragt hatte und fast anfing selbst zu heulen, flüsterte ich: „Ich weine, weil ich so dumm war.“ Damit war für ihn natürlich überhaupt nichts erklärt.
„Weißt du … ich, hatte heimlich die Hoffnung, mich irgendwann mit Markus auszusöhnen. Als er dich damals hergebracht hatte, war mir aufgefallen, dass ich ihn zurückwill.“
„Und warum hast du ihm das nich gesagt?“ fragte das Kind sichtlich erfreut.
„Ich wollte nicht, dass er zurückkommt, weil ich mit dieser neuen Situation nicht klarkomme. Ich wollte, dass er wieder mein Partner wird, nicht mein Versorger.“
„Klarkommen?“
„Ich glaube, mittlerweile tu ich das, nicht zuletzt, weil du und ich so super zurechtkommen.“
Basti fühlte sich nun auch sichtlich geschmeichelt. Sollte ich ihm sagen, dass ich der Meinung war, wirklich Glück mit ihm gehabt zu haben? Seine Geschwister waren mir immer hyperaktiv und ungezogen vorgekommen. Er hingegen war so lieb und pflegeleicht und wirklich schon sehr weit für sein Alter. Aber das konnte ich ihm ja schlecht sagen!
„Markus will doch auch zurück. Ganz bestimmt!“, unterbrach Basti grinsend das innere Mono-Lob.
Ich lächelte verlegen. Nach einem tiefen Seufzer berichtete ich, was ich vorhin gesehen hatte. Dass Markus jetzt eine Märchenprinzessin spazieren fuhr und sich wohl kaum von ihr wegen mir trennen würde, nachdem ich ihn aus meinem Leben gekickt hatte. Außerdem, und ich gab mir große Mühe, Basti das so einfach wie möglich darzustellen, hätten Markus und ich nach wie vor diese verschiedenen Ansichten, was die Erziehung eines Kindes und die Rollenverteilung anging, wegen denen wir uns eben immer wieder gestritten hatten. Diese Reibungspunkte wären nach wie vor aktuell und die hätte er mit der Neuen sicherlich nicht. So unterwürfig, wie die gelächelt hat, dachte ich, würde die sich sicher auch ziemlich wohl in ihrer Rolle als Hausfrau, Mutter und Parasit fühlen.
„Hm, das ist natürlich Mist …“, stellte Basti fest.
„Riesengroßer Mist!“, bestätigte ich.
Dann saßen wir noch eine Weile schweigend auf dem Sofa und verabschiedeten uns still von dem Gedanken, Markus wieder in unseren Haushalt aufzunehmen.

Wie ich geahnt hatte, war Basti mit meiner neuen Arbeitszeitregelung einverstanden. Vor allem hieß das für ihn, dass bald mehr Geld zur Verfügung stand. Ich verkniff mir, ihm zu erklären, dass ich mir deswegen noch lange keine Zooausflüge oder große Fressen in den hiesigen Fast-Food-Lokalen leisten konnte. Er würde schon früh genug merken, dass ich wirklich nicht wie Sabine war. Jetzt fiel mir ein, dass die schon lange nicht mehr angerufen hatte. Die Feen-Freundin von Markus musste also bereits zuhause vorgestellt worden sein und sicherlich hatten alle befunden, dass sie so viel besser zu ihm passte als ich! Nach dem Sandmann ging Basti von selbst Zähne putzen und machte sich bettfertig. Ein braves Kind!

Wurde ich jetzt auch so wie diese Mütter, die ihr Kind für das beste, klügste und liebste hielten? Wie auch immer! Basti war nun mal das Beste, Klügste und Liebste. Anna und Yannick hatten ganze Arbeit geleistet!

Die nächsten Tage schneite es drei Flocken, woraufhin die Berliner S-Bahn brachlag. Ich hatte keine andere Möglichkeit, als darauf zu vertrauen, dass Basti ohne mich zur Schule ging, denn mit meiner Ausweichverbindung zur Arbeit – der Tram – war ich mindestens 20 Minuten länger unterwegs.
„Ich geh doch gern zur Schule!“, beruhigte mich Basti.
„Ich hoffe, das bleibt auch so“, rief ich, als ich ihm seine Brotbox gab.
„Doch ja! Die neue Schule is okay! In meiner alten war die Kunstlehrerin aber netter. Die jetzt ist schon so alt, die weiß nich mehr, wie man mit Kindern umgeht“, erzählte er mir, während ich ihm seinen Schal umband. Wusste ich doch auch nicht … und bis jetzt lebst du noch!

Wir teilten uns den Fahrstuhl und trennten uns vor dem Haus. Basti drückte mich zum Abschied ganz fest und flitzte dann durch den noch schummrigen Park in Richtung Schule. Es war der 1. Dezember und mein erster Vollzeit-Arbeitstag.

Ich vergaß Nikolaus und kaufte dafür, vor lauter schlechtem Gewissen, zu Weihnachten die Spielkonsole und das Taschenmonsterspiel, die Basti immer anhimmelte, wenn wir am Elektronikgeschäft vorbeischlenderten. Mein Konto wies zum ersten Mal in meinem Leben ein dickes fettes Minus auf und mir wurde so schlecht, als ich das sah, dass ich mich weigerte, den Stand vor dem neuen Jahr noch mal aufzurufen. Doch als Basti das Ding an Heiligabend auspackte – wir saßen mit Sandy, Janosch und ihren beiden Mädchen, Renata und Sabrina, in meinem Wohnzimmer – da leuchteten seine Äuglein heller als die kitschigen Lichtfiguren, die gegen meinen Willen ins Fenster gestellt worden waren. Basti schaltete das Gerät ein und war für den Rest des Jahres ausgestellt. Silvester hütete Sandy ihn und seine Konsole, da Margitta, meine Chefin, die ich jetzt duzen durfte, Hilfe bei der Überwachung des Gala-Buffets brauchte. Als ich um 4 Uhr morgens heimkam, war die Wohnung leer und roch noch immer nach Räuchermännchen.

Meine Beine schmerzten. Ich wickelte mich in die Kuscheldecke auf dem Sofa und dachte daran, wie oft ich darauf tollen Sex mit Markus gehabt hatte. Die Neue. Ob sie besser war als ich? Tränen rollten über mein dick geschminktes Gesicht. Ich hätte jetzt gern Basti da gehabt und ihn umarmt. Aber zum Glück, denn er sollte nicht schon wieder mein Trostpflaster gegen Liebeskummer sein, schlief der zwei Straßen weiter in der plüschigen Wohnung von Sandy. Ich sah ihn vor mir, wie er da auf der Luftmatratze neben Janoschs Bett lag, die Konsole fest umklammert wie ein Kuscheltier und alle paar Minuten kurz schnarchte. Er fehlte mir.

Am 2. Januar meines 26. Lebensjahres ging das erste Vollzeitgehalt auf meinem Konto ein und verwandelte mein Trübsal in einen Anflug sehr guter Laune, der bis zu meinem Geburtstag Ende Februar anhielt.

Wie hat euch diese kleine Leseprobe gefallen? Falls ihr wissen wollt, wie es weitergeht, könnt ihr das Print oder e-Book überall im Buchhandel, online oder direkt im Verlag bestellen.

Unsere heutige Gewinnspielfrage lautet:

Was bedeutet für dich Weihnachten?

Aus allen unten ins Kommentarfeld eingetragenen Antworten verlosen wir ein handsigniertes Exemplar von Familie, Liebe und andere Sorgen.

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Wir wünschen euch viel Glück.

Geschrieben am

11. Dezember

11.12

Noch genau 13 Tage bis Weihnachten. Heute ist wieder ein Tag, an dem ihr etwas gewinnen könnt.

Die Autorin von Friedolin und die Chaoskinder, Daniela Wanninger, entführt euch heute in ihre Weihnachtsgeschichte:

Joseph, der Weihnachtshelfer    

von Daniela Wanninger

Draußen war es dunkel. Anna saß aufrecht in ihrem Bett und blickte aus dem Fenster. Obwohl nur der Lichtschimmer der benachbarten Straßenlaterne die Nacht aufhellte, konnte sie genau die dicken weißen Flocken erkennen, die durch die Luft gewirbelt wurden.

Es schneite und schneite und schneite – und das nun schon den ganzen Tag!

„Hurra, morgen fällt bestimmt die Schule aus!“, schrie ihr Bruder Fynn, der gerade das Badezimmer verlassen hatte und noch einen Blick zu seiner kleinen Schwester warf.

„Ich wette mit dir: morgen bricht der ganze Verkehr zusammen, weil das Scheegestöber nicht aufhören wird!“, rief Fynn fröhlich und steckte seinen Kopf durch Annas Türe.

„Kann schon sein!“ Gelangweilt spähte Anna in ein Buch.

„Was ist denn das? Ha, ha, der Weihnachtsmann!“, lachte Fynn.

Bild 1 Daniela wanninger

Genervt bugsierte ihn Anna aus ihrem Zimmer und schloss die Tür.

Endlich Ruhe! Nun konnte sie niemand mehr stören. Wieder grabschte sie nach dem Buch, das sie heute im großen Schrank ihrer Eltern erwischt hatte, als sie auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken war.

„Ein Buch – so etwas Langweiliges!“, hatte sie sich geärgert.

Viel lieber hätte sie ein neues Computerspiel gefunden. Das hatte sie sich schließlich gewünscht. Als sie die Stimme ihrer Mutter vernahm, hatte sie schnell das Buch in ihrer Hand unter ihrem Pullover versteckt und war damit in ihr Zimmer geflüchtet.

Erst jetzt hatte sie Zeit, es genauer zu betrachten: Auf dem Einband war ein Weihnachtsmann mit einem Schlitten abgebildet. Daneben stand in großen Buchstaben der Titel: „Joseph, der Weihnachtshelfer“

So was Blödes! Weihnachtshelfer – Wieso hieß es nicht Weihnachtsmann, schließlich trug der gute Alte eine rote Zipfelmütze auf seinem Kopf. Blöder Kinderquatsch! Und statt von einem Christkind zu schreiben oder vom Heiligen Nikolaus wurde den Kindern diese Witzfigur präsentiert! Jedes Mal wenn sie so einen Wicht sah, musste sie an einen Giftzwerg denken, dessen Bart irgendwie eingeschneit wirkte.

Sachte fuhr Anna mit ihrem rechten Zeigefinger über den Bart des Mannes. Er glitzerte. Fasziniert studierte sie seine tiefblauen Augen. Es schien ihr als würde er seinen Mund zu einem Lächeln verziehen. Nein, das konnte nicht sein das hier war nur eine Abbildung!

Plötzlich vernahm sie eine tiefe aber sanfte Stimme. „Komm mit!“

Anna fuhr herum, konnte jedoch niemanden in ihrem Zimmer entdecken – außer dem Weihnachtsmann auf dem Kinderbuch. Ungläubig starrte Anna auf die Abbildung. Der Weihnachtsmann nickte und winkte Anna zu sich auf den Schlitten.

„Nimm bitte Platz!“ Wie in Trance dachte sich Anna an die Stelle auf dem Buch und konnte sich plötzlich auf dem Schlitten wiederfinden.

„Hallo Anna, schön, dass du da bist.“

Er streckte Anna eine warme Jacke entgegen: „Hier, die wirst du brauchen – es wird nämlich gewaltig ziehen!“

Mit weit aufgerissenen Augen starrte Anna ihren neuen Bekannten an.

„Ich heiße Joseph und bin ein Weihnachtshelfer. Da ich auch ein Mann bin, kannst du mich auch Weihnachtsmann nennen.“ Mit einem Nicken bedeutete er Anna, sich festzuhalten und rief ein Kommando für die Pferde, das Anna nicht verstand. In Nu setzte sich der Schlitten mit den filigranen braunen Pferden in Bewegung. Ein eisiger Wind schlug Anna entgegen und schnitt ihr für einen Augenblick den Atem ab. Ihr Gegenüber schien die Kälte nicht zu beeindrucken. Ringsum war es totenstill, nur das Schnauben der Pferde und ein leises Klingeln der Schlittenglocken waren zu hören. Annas Mund stand vor Staunen weit offen.

Erst jetzt entdeckte sie die vielen Schneeflocken, die in Regenbogenfarben glitzerten. Der Himmel war voller Sterne. Sie ritten durch ein kleines Wäldchen, bevor sie im Galopp eine kleine Anhöhe erreichten.

 „Das hier ist das Ende einer Siedlung mit vielen Kindern!“, erklärte Joseph. Seine Stimme klang tief.

„Was machst du denn als Weihnachtshelfer?“

Während sich der Weihnachtsmann von seinem Schlitten erhob und Anna die Zügel reichte, sprach er ruhig. „Aber Anna, du weißt nicht, was ein Weihnachtshelfer vor Weihnachten zu tun hat?“

Anna zuckte mit den Schultern.

„Ach weißt du, wir Weihnachtshelfer sind eigentlich in der anderen Welt beschäftigt, doch vor Weihnachten – zur besonderen Zeit – bevor zu euch das Christkind kommt, sind wir im Großeinsatz.“

Er stöhnte leise, dann machte er sich daran, einen Berg Geschenke vom Schlitten loszubinden.

„Ich komme gleich wieder!“, verkündete er und war im Nu verschwunden.

Wo war er nur?, dachte Anna, schaute um sich, konnte jedoch weder die Geschenke noch den Weihnachtsmann entdecken. Plötzlich – wie aus dem Nichts – tauchte er wieder neben ihr auf, lächelte und nahm Anna die Zügel aus der Hand.

Wieder rauschten sie durch die dunkle Nacht.

„Du, Joseph!“, begann Anna schüchtern. „Ich würde dir wirklich gerne helfen, aber ich glaube, ich muss nach Hause.“

„Das kann ich gut verstehen, mein Kind!“, entgegnete Joseph und bog plötzlich in eine schmale Gasse ein.

Hier können wir mit dem Schlitten unmöglich durch, ging es Anna durch den Kopf.

„Hüüüüünouf!“, schrie der alte Mann, worauf sie mit dem Gespann plötzlich über die Dächer hinweg flogen.

„Du musst dich jetzt in dein Bett denken!“, befahl Joseph.

Anna schloss die Augen und konzentrierte sich. Sie spürte ihre warme weiche Decke über sich.

Als sie ihre Augen öffnete, fand sie sich tatsächlich in ihrem kuscheligen Bett wieder. Verwirrt blickte sie um sich und tappte mit der rechten Hand nach dem Buch. Es war weg. Einfach weg! „Verflixt!“, schimpfte Anna.

 Bild 2 Daniela wanninger

 Die Tage vor Weihnachten konnte Anna an nichts anderes als den Weihnachtsmann und ihr ungewöhnliches Erlebnis denken. Dies war ihr Geheimnis und das wollte sie auf keinen Fall preisgeben.

Außerdem hätte ihr sowieso niemand diese Geschichte geglaubt.

Als Anna am Heiligen Abend einen hohen Stapel Bücher unterm Christbaum vorfand, stürzte sie sich sofort begeistert darauf. Wie groß war die Freude, als sie das Buch von Joseph, dem Weihnachtshelfer entdeckte.

„Was hast du denn da?“, fragte Fynn neugierig und wollte nach dem Buch greifen.

„Ach, nichts Besonderes, nur ein Kinderbuch!“, murmelte Anna. Sie würde dafür sorgen, dass ihr Bruder die Abbildung nie zu lange ansah, denn ihr Geheimnis wollte sie für sich behalten.

Was das Buch in der anderen Welt alles für sie bereithielt, darauf war sie schon sehr gespannt. Als sie Joseph, den Weihnachtshelfer anlächelte, war ihr, als würde er ihr zuzwinkern.

Bild 3 Daniela wanninger

Unsere heutige Gewinnspielfrage lautet: An wen muss Anna denken, als sie Joseph das erste Mal sieht?

Schreibt eure Antwort unten in das Kommentarfeld.

Euer Gewinn wurde von Susanne Leuders in liebevoller Handarbeit hergestellt und ist ein Lesezeichen.

Wir drücken euch fest die Daumen.IMG_0063

Geschrieben am

9. Dezember

9.12

Ein neues Türchen öffnet sich: Claudia Romes, die Erschafferin von Cor de Rosas Tochter, hat sich für euch eine kleine Geschichte ausgedacht.

Stellas Wunsch

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Stella. Sie liebte die Sterne über alles. Oft saß sie des Nachts am Fenster und blickte hinaus zum Himmelszelt. Wenn sie dann endlich eine Sternschnuppe vorbeifliegen sah, schickte sie jedes Mal denselben Wunsch hinauf zum Mond, der mit seinem lieben Gesicht zu ihr auf die Erde sah und ihr zunickte. Immer dann, wenn sie ihn darum bat, sie einmal zu ihm und den Sternen zu tragen. Nichts wünschte sie sich mehr.

Eines Nachts, sie war wie so oft auf der Fensterbank eingeschlafen, da hörte sie wie jemand ihren Namen rief. „Stelllla“, erklang jene Stimme. Ein zarter Windhauch blies ihr ins Gesicht, und als sie ihre Augen öffnete, blickte sie direkt in das runde Mondgesicht, das sie freundlich anlächelte. „Es ist soweit“, sagte der Mond, „dein Wunsch geht heute in Erfüllung. Klettere auf meine Nase und ich werde dich mit hinauf nehmen.“ Stella staunte nicht schlecht, dann tat sie wie ihr geheißen und der Mond flog mit ihr himmelwärts. Sie stiegen höher und immer höher, bis sie schließlich bei den strahlenden Sternen angekommen waren. Der Mond stellte Stella jeden Einzelnen von ihnen vor. Oh, wie glücklich Stella war, jetzt da sie sie alle mit Namen kannte. Da waren der Morgenstern und der Abendstern, der Nordstern und natürlich die Sternenfee, die sobald es dunkelte, jedem Stern eine Kerze gab, damit sie leuchten konnten und von der Erde aus gesehen wurden. Der Mond zeigte Stella die Milchstraße. Er setzte sie auf das Schiff Slagroom, das aus purer Sahne bestand und von einem marsstämmigen Kapitän gesteuert wurde. Sie fuhren bis zur Kakaostraße, in die Stella eine Tasse hielt. Ein kleiner Stern, den sie passierten, schickte seine Funken aus und Stellas Kakao war sofort köstlich warm. Sie tauchte ihren Zeigefinger in den Schiffsbug und streifte etwas von der Sahne auf die Tasse.

Plötzlich ruckelte das Schiff. „Festhalten!“, rief der Kapitän, dann sausten sie einen Wasserfall hinunter an dessen Ende ein Regenbogen war. Der war so weich, dass Stella gar nicht merkte, wie sie auf ihm gelandet waren. Er war aus purem Zucker, auf ihm huschten Gummibären und Marshmallowmännchen in Richtung eines zauberhaften Schlosses, an dessen Turmspitzen bunte Fahnen wehten. „Das ist das Schloss der Sternenprinzessin!“, sagte der Mond, der nun wieder neben Stella aufgetaucht war. „Sie feiert einen Ball und du bist heute Nacht ihr Ehrengast!“

Als Stella aus dem Schiff stieg, verwandelte sich ihr Nachthemd in ein festliches Kleid, dessen seidene Fäden in allen Farben funkelten. Der Sohn des Abendsterns geleitete sie hinein, und als sie den großen Thronsaal betrat, applaudierten die anwesenden Sterne und auch die Prinzessin erhob sich von ihrem Thron, der über und über mit Kristallen versehen war. Sie trug ein goldenes Kleid und auf ihrem Kopf hatte sie eine Krone, die heller strahlte als jegliches Licht. „Heute Nacht wollen wir feiern!“, sagte die Sternenprinzessin, “denn ein ganz besonderes Menschenkind ist heute unter uns. Es ist stets artig und fleißig, jede Nacht sieht es zu uns hinauf. Doch auch wir, liebe Stella, schauen zu dir hinunter. Wir beobachten alle Kinder und den besonders artigen, erfüllen wir auch Wünsche, so wie dir!“

Sie tanzten und lachten die ganze Nacht hindurch und der Mond lugte zufrieden durch eines der Fenster. Doch irgendwann hörte die Musik auf zu spielen, Stern für Stern bliesen ihre Flamme aus und zum Schluss verblasste auch die Prinzessin.

Stella bekam es mit der Angst zu tun. „Wo seid ihr denn alle?“, fragte Stella in die Dunkelheit hinein, dann fiel sie plötzlich hinunter, immer tiefer und tiefer, bis sie schließlich landete.

Vorsichtig schlug sie ihre Augen auf, rappelte sich vom Fußboden hoch, auf den sie, zum Glück, sanft gefallen war und sah, wie die ersten Sonnenstrahlen den Horizont erhellten. Ganz am Rande war immer noch der Mond zu erkennen. Sie rieb sich den feinen Sand aus den Augen. War denn alles nur ein Traum? Aber nein, denn an ihr klebte noch ein seidener Faden des Kleides, das sie zum Ball getragen hatte und wie so der Mond langsam am Himmel verschwand, sah sie, wie er ihr zum Abschied zulächelte.

Geschrieben am

8. Dezember

8.12

Heute hat für euch Pat Langdon, Autorin von Lord of Light (erscheint voraussichtlich Juni 2015) eine kleine Weihnachtsgeschichte geschrieben.

 

Plötzlich ist Weihnachten!

 

Jeder weiß: Das Jahr hat 365 Tage und jeder kennt die Feiertage. Wir planen unseren Urlaub entsprechend, freuen uns über Brückentage. Wer kennt das nicht. 365 Tage verleben wir im Kreise unserer Familie oder mit Freunden.

So vergehen Woche um Woche, Monat für Monat. Die Zeit vergeht, – nein sie rast, weil wir immer mit irgendetwas beschäftigt sind. Spätestens mit der Uhrenumstellung auf die Winterzeit bemerken wir dann, dass sich das Jahr seinem Ende neigt und denken: wie schnell doch die Zeit vergeht.

Bereits im September beginnen die Einzelhändler mit dem Verkauf all der weihnachtlichen Leckereien und oft erscheint uns das viel zu früh. Beflissentlich gehen wir mit dem Gedanken: Nein, jetzt noch nicht daran vorbei. Hat noch Zeit und ziehen unseres Weges.

Es ist Ende November, die Tage sind kürzer, es wird früher dunkel und das Wetter wird ungemütlicher. Die ersten Lichterketten tauchen an den Fenstern auf und wer die Möglichkeit hat, schmückt auch draußen.

In der Innenstadt des kleinen Städtchens, in dem ich wohne, werden die ersten Weihnachtsmarktstände aufgebaut. Es wird bunter und heller in den kleinen Gassen. Ein kleiner Junge fragt: „Mama, wann kommt der Nikolaus?“

„Nur noch ein paar Tage, dann kommt er.“ Freudestrahlend lacht der Kleine und seine Mama sieht ihre Begleiterin an und sagt leise: „Mensch bald ist schon wieder Weihnachten.“

Sie tauschen sich leise aus und planen die ersten Weihnachtsgeschenke; – gerade so laut, dass der Junge nichts mitbekommt. Aber wie sollte er auch, denn er ist fasziniert von den funkelnden Lichtern und dem Getümmel um sich herum.

Damit beginnt er, der alljährliche Weihnachtsstress, dem Geschenkekaufrausch und dem stetigen Bangen, dass man bloß keinen seiner Liebsten vergisst zu beschenken.

Einige Tage später gehe ich durch das alte Viertel, in dem ich früher gewohnt habe und treffe einen ehemaligen Nachbarn. Sein Äußeres zeigt deutlich allen: Ich bin arm. Seine Kleider verschlissen, eine viel zu dünne Jahre für diese Jahreszeit, an der zwei Knöpfe fehlen. Ein ungepflegter Fünftagebart und tiefe Ringe unter den Augen zeigen mir, wie schlecht es ihm tatsächlich geht. Ihn interessiert Weihnachten schon lange nicht mehr, denn er muss jeden Monat ums Überleben kämpfen. Am Ende des Geldes ist immer noch so viel Monat über.

Wir unterhalten uns ein bisschen und ich frage ihn: „Wo willst du grad hin?“

Zum Rewe, Nudeln kaufen; – muss reichen.“

„Ja, nicht so einfach mit den paar Kröten“, antworte ich und werde nachdenklich.

„Weißt du was? Ich komme mit dir zum Rewe.“ Er freut sich über meine Begleitung, die so selten ist für ihn, denn normalerweise weichen ihm die Menschen aus, denken sonst was, schweigen aber. Er erzählt ein bisschen über sich, die vergangenen Wochen. Mit einem Ohr höre ich zu, denn meine Gedanken sind bereits beim Rewe. Ich erinnere mich, von der Aktion „Freude schenken“ gelesen zu haben und überlege, welche Freude ich ihm wohl machen könnte.

Wir betreten die gewärmten Hallen des Centers und gehen durch die Gänge. Seine Augen werden immer trauriger, als er all die Dinge sieht, die er sich nicht leisten kann. Hier und da lege ich ein oder zwei davon in meinen Einkaufswagen. Ganz langsam wird er etwas voller, während mein ehemaliger Nachbar seine drei Pakete Nudeln trägt.

An der Kasse bezahlt er seine und ich meine Ware. Danach gehen wir gemeinsam zurück und er will sich an seiner Haustür von mir verabschieden.

„Du darfst das hier nicht vergessen!“

Fast entsetzt sieht er mich an: „Das geht doch nicht!“

„Natürlich geht das, siehst du doch“, grinse leicht. Dann beginnen seine Augen zu leuchten.

„Ich wünsch dir schöne Feiertage – und genieße es! – Kommt von Herzen.“

Er bedankt sich überschwänglich – denn plötzlich ist Weihnachten für ihn!

 

Ich wünsche allen ein Frohes Fest, besinnliche und erholsame Tage.

Herzlichst eure

Pat Langdon